Enerdrape: Geothermie ohne Bohrungen, die Parkplätze in Energieanlagen verwandeln könnte

Waadt
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2026-03-08T 23:00:00,000 Z
Verfasst von
Benjamín Pic

Enerdrape: Geothermie ohne Bohrungen, die Parkplätze in Energieanlagen verwandeln könnte

Bei der Energiewende des Gebäudebestands wird Geothermie oft als Lösung für die Zukunft vorgestellt. In dicht besiedelten Stadtzentren ist ihr Einsatz jedoch nach wie vor begrenzt: komplexe Bohrungen, administrative Zwänge, hohe Kosten oder Platzmangel behindern ihre Einführung immer noch.

Ein Schweizer Startup der EPFL bietet nun einen radikal anderen Ansatz an: die Nutzung thermischer Energie, die bereits in bestehenden unterirdischen Infrastrukturen vorhanden ist.

Das ist Enerdrapes Wette.

Das Unternehmen, ein Spin-off der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), entwickelt die erste modulare geothermische Paneltechnologie, mit der die Erdwärme direkt von Grundmauern, Tiefgaragen oder Tunneln aufgenommen werden kann, ohne dass Bohrungen erforderlich sind.

Eine diskrete, aber potenziell massive Innovation zur Beschleunigung der Dekarbonisierung bestehender Immobilien.

Nutzung der unsichtbaren Energie unterirdischer Infrastrukturen

Jedes unterirdische Gebäude — Parkplatz, Keller, Tunnel oder U-Bahnstation — hat direkten Kontakt mit dem Boden, dessen Temperatur das ganze Jahr über relativ stabil bleibt.

Enerdrape wandelt diese Oberflächen in erneuerbare Energiequellen um.

Das Prinzip basiert auf geothermischen Paneelen, die direkt an den Wänden befestigt sind, die mit dem Boden in Kontakt stehen. Im Inneren zirkuliert eine Wärmeübertragungsflüssigkeit, die Kalorien aus dem Boden und der unterirdischen Umgebung zurückgewinnt. Diese Energie wird dann über eine Wärmepumpe zurückgewonnen, um das thermische System des Gebäudes zu versorgen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Erdwärmesonden erfordert die Lösung keine Tiefbohrungen oder schwere Eingriffe in den Boden.

Die Paneele können in bestehenden Infrastrukturen installiert werden, oft innerhalb weniger Tage, was ein beachtliches Anwendungsfeld für die energetische Sanierung eröffnet.

„Unser Ziel ist einfach: jede unterirdische Infrastruktur in eine erneuerbare Energiequelle umzuwandeln“, erklärt CEO und Mitbegründer Margaux Peltier.
„Städte haben bereits Tausende von Parkplätzen und Kellern. Sie stellen ein weitgehend ungenutztes Energiepotenzial dar.“

Eine Innovation, die in den Labors der EPFL geboren wurde

Die Geschichte von Enerdrape beginnt im Labor für Bodenmechanik der EPFL.

Margaux Peltier ist ausgebildete Bauingenieurin und beschäftigte sich während ihres Masterstudiums mit Energiegeostrukturen — Infrastrukturen, die Wärmeenergie erzeugen oder mit dem Boden austauschen können.

Dann entdeckte sie ein Paradoxon: Unterirdische Gebäude speichern Wärme oder Frische, aber diese Energie geht fast immer verloren.

Die Idee hinter Enerdrape besteht genau darin, diese Rest- und geothermische Wärme zurückzugewinnen.

Das Startup wurde gemeinsam mit den Forschern Alessandro Rotta Loria und Lyesse Laloui gegründet, anerkannten Spezialisten für Energiegeostrukturen.

Der erste Prototyp wurde auf einem Parkplatz in Lausanne getestet, bevor die Technologie Gegenstand mehrerer internationaler Patente war.

Eine Lösung, die sich besonders für Renovierungen eignet

Technologie kann zwar in neue Projekte integriert werden, ihr Potenzial ist jedoch im bestehenden Gebäudebestand besonders groß.

Im Gegensatz zu tiefen Erdwärmesonden, die in dicht besiedelten städtischen Gebieten oft schwierig zu installieren sind, verwenden Enerdrape-Paneele Oberflächen, die bereits in Gebäuden vorhanden sind.

Tiefgaragen, Keller, Tunnel oder Verkehrsinfrastrukturen werden so zu Wärmetauschern.

Nach Angaben des Unternehmens kann ein Quadratmeter Paneele zur Beheizung oder Kühlung von fünf bis zehn Quadratmetern Fläche in einem Gebäude beitragen.

„Die Energiewende wird nicht nur den Bau neuer Gebäude beinhalten“, betont Margaux Peltier.
„Wir müssen auch Lösungen finden, die sich leicht in die bestehende Flotte integrieren lassen.“

Erste Projekte in der Schweiz und Europa

Enerdrape hat bereits mehrere Pilotprojekte in der Schweiz und Europa durchgeführt.

In Genf nutzt die Stadt Lancy diese Technologie auf dem Parkplatz des städtischen Verwaltungsgebäudes, um zur Beheizung der Büros beizutragen.

In Frankreich versorgen Anlagen auch Wohngebäude, insbesondere bei Projekten, die mit Energiepartnern wie ENGIE durchgeführt werden.

Bei den Zielkunden handelt es sich hauptsächlich um institutionelle Eigentümer, Behörden, Immobilienfonds oder unterirdische Infrastrukturbetreiber.

In einem Kontext, in dem die Dekarbonisierung der Heizung zu einer regulatorischen Priorität wird, suchen diese Akteure nach neuen erneuerbaren Energiequellen, die bestehende Lösungen ergänzen können.

Immobilien im Angesicht von Energieinnovationen

Für Enerdrape besteht die größte Herausforderung nicht mehr in der Technologie.

Es ist kulturell.

Die Immobilienbranche steht neuen Energietechnologien weiterhin vorsichtig gegenüber, insbesondere wenn sie von historischen Lösungen abweichen.

„Das Schwierigste war nicht, die Technologie zu entwickeln, sondern eine Branche zu überzeugen, die es nicht gewohnt ist, Innovationen schnell umzusetzen“, räumt Margaux Peltier ein.

Aber die Dynamik ändert sich.

Der regulatorische Druck, die ESG-Ziele der Anleger und steigende Energiekosten drängen immer mehr Akteure dazu, alternative Lösungen zu erkunden.

Wenn Parkhäuser zu Energieinfrastrukturen werden

Neben ihren energetischen Vorteilen eröffnet die Enerdrape-Technologie auch neue Denkansätze zur Nutzung städtischer Infrastrukturen.

Die auf den Parkplätzen installierten Paneele bleiben sichtbar und können auch als Bildungs- oder Kommunikationsunterstützung verwendet werden, um die Öffentlichkeit für die Energiewende zu sensibilisieren.

Eine fast symbolische Dimension für eine Innovation, die genau auf der Idee basiert, die unsichtbare Energie von Städten sichtbar zu machen.

„Wir sind davon überzeugt, dass unterirdische Infrastrukturen morgen zu Schlüsselelementen urbaner Energiesysteme werden“, sagt Margaux Peltier.
„So wie Sonnenkollektoren Dächer verändert haben, könnten geothermische Paneele Keller verändern.“

Eine Perspektive, die die Art und Weise, wie Städte ihre Energie produzieren, durchaus neu definieren könnte.

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