Kultur - Sport - Freizeit

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Bern

Ein moderner Leuchtturm für Live-Erlebnisse und ein Vorzeigeobjekt in Sachen Energieeffizienz.

GESCHICHTE

Das Messegelände der BERNEXPO im Osten der Stadt Bern gehört zu den grössten seiner Art in der Schweiz : Acht Messehallen in zwei Gebäudekomplexen vereinen rund 40’000 m² Veranstaltungsfläche in 22 Hallen sowie 100’000 m² Freigelände. Mit einem einzigartigen Angebot von Messe- und Kongressräumen, Multifunktionshallen und Freiflächen vermarktet, entwickelt und ermöglicht die BERNEXPO Live-Erlebnisse vom Feinsten. Die Festhalle auf dem BERNEXPO-Gelände, 1948 als temporäres Bauwerk errichtet, hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Von August 2022 bis Ende März 2025 hat die Totalunternehmerin HRS Real Estate AG die alte Halle durch einen hochmodernen Neubau im Minergie-P-Standard ersetzt.

KONZEPT UND ARCHITEKTUR

Der Neubau mit einer Gesamtfläche von 9’400 m 2 besteht aus insgesamt drei Haupträumen: die Multifunktionshalle (die wie der gesamte Neubau als Festhalle bezeichnet wird), der Cube als Kongresszentrum sowie das Foyer. Grosse Kongresse oder Kulturevents wie Konzerte oder Theater können in der flexibel nutzbaren Multifunktionshalle mit bis zu 9000 Gästen stattfinden. Die Architekten haben eine auf Anhieb lesbare Einheit aus drei Teilen geschaffen. Eventhalle und Kongress als unabhängig nutzbare, aufs Wesentliche reduzierte Volumen werden zusammengebunden durch eine einladende und Schutz bietende Laubenhalle, in der das gemeinsame Foyer integriert ist. Die grosszügige Laubenhalle verankert das neue Kongress- und Eventcenter besser im Quartier. Das in der Laubenhalle eingeschobene Foyer mit hohem öffentlichem Charakter bildet den Zugang zum Messegelände. Es verbindet und trennt gleichzeitig die unterschiedlichen Nutzungen von Kongresszentrum und Eventhalle. Der Baukörper selbst weist eine homogene Haut mit unterschiedlichen Graden an Transparenz auf

Ein Vordach erstreckt sich rund um die Halle auf über 500 Metern und begleitet Veranstaltungen im Aussenbereich spielerisch. Die 70 Säulenfelder erinnern an die bekannten Berner Lauben. Der nur wenig genutzte Messeplatz Süd wird mit 20 Wasserdüsen bespielt, die dem Quartier einen Mehrwert bieten.

HERAUSFORDERUNGEN

Das Projekt erwies sich als ausgesprochen komplex. In der Halle verbirgt sich eine der grössten und modernsten Eventtechnikanlagen : Dazu gehören etwa die mit 150 m 2 grösste fix in einem Schweizer Kongresszentrum installierte LED-Wand, 27 Meter lange Screens und höhenverstellbare Bühnen. Drei Viertel der Halleninnenflächen sind mit Absorbern bekleidet. Das Hallendach erlaubt es, mit 70 Kettenmotoren innert kürzester Zeit über 320 Tonnen Eventtechnik zu verbauen. Bezüglich der komplizierten Logistik spielte die HRS Real Estate AG ihre Erfahrung aus : Die BEA 2024 konnte trotz laufender Bauarbeiten stattfinden. In der Zusammenarbeit mit Politik, Behörden und Öffentlichkeit hat die HRS Real Estate AG erneut viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Mit Stolz meldet die Totalunternehmerin, dass 90 Prozent der beteiligten Unternehmen aus der Region stammen.

ENERGIEKONZEPT UND NACHHALTIGKEIT

Punkto Energieeffizienz ist die neue Festhalle ein absolutes Vorzeigeobjekt innerhalb der Messelandschaft. Der Neubau entspricht den strengen Vorgaben von Minergie-P® und wird ohne Einsatz fossiler Energie betrieben. Die Wärme- und Kälteerzeugung erfolgt auf dem Dach, wo eine reversible Wärme-/Kältemaschine mit dem natürlichen Kältemittel Propan betrieben wird. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat eine Leistung von 300 kWp. Dank einem innovativen Sanitärkonzept wird das Wasser der Hygienespülungen für die Bewässerung der Bäume auf dem Vorplatz genutzt.

In Sachen Bauteilrecycling ist die neue Festhalle ebenfalls ein Leuchtturmprojekt. Mehr als 55 Tonnen rückgebaute Stahlträger wurden wieder verwendet, was zu einer Ersparnis von 22 Tonnen CO2 führte. Der Auftraggeber liess sich vom Kreislaufwirtschaftsprojekt « Re-Use of Steel Sections » des Verbandes für Nachhaltiges Wirtschaften (öbu) inspirieren; die HRS Real Estate AG wiederum unterstützte das Projekt für den Rückbau der Stahlträger. Der Anteil an Grünflächen hat sich mehr als verdoppelt. Die Platanen am Guisanplatz und die Baum-Allee entlang der Papiermühlestrasse blieben erhalten. 44 Bäume, die dem Neubau weichen mussten, wurden ersetzt. Als weitere Kompensation wurden 15 Prozent der Perimeterfläche naturnah gestaltet ; einen weiteren Beitrag zur Biodiversität leistet die extensive Dachbegrünung mit ausschliesslich einheimischen Arten.