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Enerdrape – Geothermie ohne Bohrungen im Fokus

Enerdrape – Geothermie ohne Bohrungen im Fokus

Verfasst von
Benjamin Pic
18 May 2026
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Ein Schweizer Start-up, das aus der EPFL hervorgegangen ist, verfolgt heute einen radikal anderen Ansatz: die Nutzung der Wärmeenergie, die bereits in bestehenden unterirdischen Infrastrukturen vorhanden ist.

Das ist das Ziel vonEnerdrape.

Als Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) entwickelt das Unternehmen die erste Technologie für modulare Geothermie-Paneele, die die Erdwärme direkt über Fundamentwände, Tiefgaragen oder Tunnel aufnehmen können, ohne dass Bohrungen erforderlich sind.

Eine unauffällige, aber potenziell bahnbrechende Innovation, um die Dekarbonisierung des bestehenden Gebäudebestands zu beschleunigen.

Die unsichtbare Energie unterirdischer Infrastrukturen nutzen

Jedes unterirdische Bauwerk – Parkhaus, Keller, Tunnel oder U-Bahn-Station – steht in direktem Kontakt mit dem Boden, dessen Temperatur das ganze Jahr über relativ stabil bleibt.

Enerdrape verwandelt diese Flächen in Quellen erneuerbarer Energie.

Das Prinzip basiert auf geothermischen Paneelen, die direkt an den mit dem Boden in Kontakt stehenden Wänden befestigt werden. Im Inneren zirkuliert eine Wärmeträgerflüssigkeit, die die Wärmeenergie des Bodens und der unterirdischen Umgebung aufnimmt. Diese Energie wird anschließend über eine Wärmepumpe genutzt, um das Heizsystem des Gebäudes zu versorgen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Erdwärmesonden erfordert diese Lösung weder Tiefbohrungen noch umfangreiche Eingriffe in den Boden.

Die Platten können in bestehende Gebäude eingebaut werden, oft innerhalb weniger Tage, was ein beträchtliches Anwendungsspektrum für die energetische Sanierung eröffnet.

„Unser Ziel ist einfach: jede unterirdische Infrastruktur in eine Quelle erneuerbarer Energie zu verwandeln“, erklärt CEO und Mitbegründerin Margaux Peltier.


„Städte verfügen bereits über Tausende von Parkhäusern und Untergeschossen. Diese stellen ein weitgehend ungenutztes Energiepotenzial dar.“

Eine Innovation, die in den Labors der EPFL entstanden ist

Die Geschichte von Enerdrape beginnt im Labor für Bodenmechanik (LMS) der EPFL.

Margaux Peltier, ausgebildete Bauingenieurin, beschäftigt sich während ihres Masterstudiums mit energetischen Geostrukturen – Infrastrukturen, die in der Lage sind, Wärmeenergie zu erzeugen oder mit dem Boden auszutauschen.

Dabei stieß sie auf ein Paradoxon: Unterirdische Gebäude speichern Wärme oder Kühle, doch diese Energie geht fast immer verloren.

Die Idee von Enerdrape besteht genau darin, diese Rest- und Erdwärme zurückzugewinnen.

Das Start-up wurde gemeinsam mit den Forschern Dr. Alessandro Rotta Loria und Prof. Lyesse Laloui gegründet, zwei anerkannten Spezialisten für energetische Geostrukturen.

Der erste Prototyp wird in einem Parkhaus in Lausanne getestet, bevor die Technologie Gegenstand mehrerer internationaler Patente wird.

Eine Lösung, die sich besonders für die Sanierung eignet

Zwar lässt sich die Technologie in Neubauprojekte integrieren, doch zeigt sich ihr Potenzial besonders deutlich im bestehenden Gebäudebestand.

Im Gegensatz zu tiefen Erdwärmesonden, die in dicht bebauten Stadtgebieten oft schwer zu installieren sind, nutzen die Enerdrape-Paneele bereits vorhandene Flächen in Gebäuden.

Tiefgaragen, Keller, Tunnel oder Verkehrsinfrastrukturen werden so zu Wärmetauschern.

Nach Angaben des Unternehmens kann ein Quadratmeter der Paneele dazu beitragen, zwischen fünf und zehn Quadratmeter Fläche in einem Gebäude zu heizen oder zu kühlen.

„Die Energiewende wird nicht allein durch den Bau neuer Gebäude gelingen“, betont Margaux Peltier.


„Es müssen auch Lösungen gefunden werden, die sich leicht in den bestehenden Gebäudebestand integrieren lassen.“

Erste Projekte in der Schweiz und in Europa

Enerdrape hat bereits mehrere Projekte in der Schweiz und in Europa umgesetzt.

In Genf nutzt die Stadt Lancy diese Technologie im Parkhaus des städtischen Verwaltungsgebäudes, um zur Beheizung der Büros beizutragen.

In Frankreich versorgen Anlagen ebenfalls Wohngebäude, insbesondere im Rahmen von Projekten, die gemeinsam mit Energiepartnern wie ENGIE Solutions realisiert wurden .

Die Zielkunden sind hauptsächlich institutionelle Eigentümer, öffentliche Körperschaften, Immobilienfonds oder Betreiber unterirdischer Infrastrukturen.

Vor dem Hintergrund, dass die Dekarbonisierung der Heizung zu einer regulatorischen Priorität wird, suchen diese Akteure nach neuen erneuerbaren Energiequellen, die bestehende Lösungen ergänzen können.

Die Immobilienbranche im Zeitalter der Energieinnovation

Für Enerdrape ist die größte Herausforderung nicht mehr technologischer Natur.

Sie ist kultureller Natur.

Die Immobilienbranche bleibt gegenüber neuen Energietechnologien zurückhaltend, vor allem wenn diese von den bisherigen Lösungen abweichen.

„Das Schwierigste war nicht, die Technologie zu entwickeln, sondern eine Branche zu überzeugen, die es nicht gewohnt ist, Innovationen schnell zu übernehmen“, räumt Margaux Peltier ein.

Doch die Dynamik verändert sich.

Regulatorischer Druck, die ESG-Ziele der Investoren und steigende Energiekosten veranlassen immer mehr Akteure, nach alternativen Lösungen zu suchen.

Wenn Parkplätze zu Energieinfrastruktur werden

Über den energetischen Nutzen hinaus regt die Enerdrape-Technologie auch zu neuen Überlegungen zur Nutzung städtischer Infrastrukturen an.

Die in Parkhäusern installierten Paneele bleiben sichtbar und können auch als Bildungs- oder Kommunikationsmittel dienen, um die Öffentlichkeit für die Energiewende zu sensibilisieren.

Eine fast symbolische Dimension für eine Innovation, die genau auf der Idee beruht, die unsichtbare Energie der Städte sichtbar zu machen.

„Wir sind überzeugt, dass unterirdische Infrastrukturen in Zukunft zu Schlüsselelementen städtischer Energiesysteme werden“, bekräftigt Margaux Peltier.
„So wie Solarmodule die Dächer verändert haben, könnten geothermische Module die Untergeschosse verändern.“

Eine Perspektive, die die Art und Weise, wie Städte ihre Energie erzeugen, neu definieren könnte.

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