Der zentrale Teil eines Industrieareals mit Seesicht wurde in eine grosse Überbauung zum Wohnen und Arbeiten umgewandelt.
GESCHICHTE UND LAGE
Horgen ist eine Gemeinde am linken Zürichseeufer. Das Oberdorf befindet sich an den Hängen des Zimmerbergs, direkt unterhalb vom Waldrand. Seinen Namen verdankt es der Bahnstation Horgen-Oberdorf vor dem Nordportal des Zimmerbergtunnels. Der 1897 eröffnete Tunnel gehört zur Bahnstrecke Zürich-Zug. Die gute Verkehrsanbindung führte zur Bildung einer Industriezone an dieser idyllischen Lage. Direkt hangseits der Gleise siedelte sich die Textilmaschinenfabrik Schweiter an. Die Traditionsfirma wurde 2017 an den Winterthurer Textilkonzern Rieter verkauft, der die Produktion 2021 verlegte. Eine neue Grundeigentümerin nutzte die neuen Sonderbauvorschriften in der Bauund Zonenordnung Horgens, wonach die Nutzungs-Grundordnung in Industriezonen geändert werden kann, so dass Wohnungen bis zur Hälfte des Bauvolumens zulässig werden. Ein entsprechender Gestaltungsplan wurde von der Gemeinde genehmigt. Nachdem auch einem Erschliessungsvertrag Rechtskraft erwachsen war, konnte das Areal ab 2014 bebaut werden. Gemäss Gestaltungsplan ist es in die Zonen « Garden », « Urban » und « Industrial » aufgegliedert. Die Baufelder B1-B3 zählen zur Zone « Industrial » direkt an den Bahngleisen. 2018 machte die Gemeinde das Bahnareal direkt gegenüber zu einer Zentrumszone. Die SBB entwickelt dort eine Bahnhofs-Überbauung, die weiteren neuen Wohn- und Geschäftsraum und eine moderne Verkehrsdrehscheibe schafft.
KONZEPT UND ARCHITEKTUR
Für die Baufelder B1-B3 wurde 2019 ein Wettbewerb durchgeführt. Das bestehende schutzwürdige Fabrikgebäude von 1920 auf dem Baufeld B1 wurde zu 96 loftartigen Miet-Wohnungen und Gewerbeflächen umgenutzt. Auf den Baufeldern B2 und B3 entstanden 137 Miet-Wohnungen als Neubau in vorfabrizierter Holzbauweise mit Ladenzeile im Erdgeschoss, sowie 300 Stellplätzen auf drei Ebenen.
Die Überbauung bildet ein Ensemble, bestehend aus einer mehrgliedrigen Abfolge denkmalgeschützter Fabrikgebäude und zwei langen neuen Wohnhäusern, welche die Ausrichtung der Fabrikgebäude übernehmen: einem dreigeschossigen Reihenhaus an den Gleisen und einer der achtgeschossigen Zeile auf der Hangseite. Zwischen ihnen verläuft die Fabrikgasse. Diese Anordnung transformiert das einstige Industrieareal in einen zeitgemässen Sozialraum. Die Passerelle über den Bahngleisen durchdringt das dreigeschossige Reihenhaus und mündet in die Fabrikgasse. Eine breite Freitreppe zwischen dem Fabrikbau und der hangseitigen Neubauzeile führt direkt weiter durch das Areal. Mit den rhythmisierten Fassaden der Neubauten, die in auffälligen Sägezahnlinien verlaufen, deutet die Architektur durch eine verfeinerte Massstäblichkeit die Wohnnutzung an. In das bestehende Fabrikgebäude wurden Loftwohnungen eingebaut. Sie sind übersichtlich und abwechslungsreich, die Erschliessung erfolgt über eine natürlich belichtete innere Strasse. Doppelgeschossige Räume und die sichtbare Betonstruktur stellen in den historischen Gebäuden den Bezug zur industriellen Vergangenheit her.
Im niedrigen Neubau an den Gleisen werden Maisonette- und Geschosswohnungen von der Fabrikgasse her über offene Laubengänge erschlossen. Im Innern des Baukörpers versehen zwei Lichthöfe die Wohnküchen mit Tageslicht. Alle Wohnungen haben Seesicht und profitieren zusätzlich von der Südwest-Exposition des Volumens. Im hohen Neubau auf der Hangseite sind die Wohnungen von Fassade zu Fassade durchgesteckt und haben sowohl Südausrichtung als auch eine atemberaubende Aussicht auf den Zürichsee. Licht und Schatten sowie ein Kanon verschiedener Pastelltöne generieren einen vielschichtigen farblichen Zusammenklang der Fassaden. Die Materialität aus einer Kombination von gewellten, teilweise mit Lochmustern versehenen Metallbekleidungen, Terracottaplatten, Faserzementelemente und verputzten Flächen stärken den vielfältigen Ausdruck im Ensemble und die angestrebte Kleinteiligkeit.
NACHHALTIGKEIT
Solaranlagen auf den Dächern haben eine Gesamtleistung von 275 kWp und einen prognostizierten Ertrag von ca. 251 MWh, was ungefähr die Hälfte des Stromverbrauchs der Wohnungen abdeckt. Das ganze Areal des Immobilienprojekts wird mit Abwärme benachbarter Büro- und Gewerbebauten betrieben. Brauchwarmwasser und die Heizwärme werden mit Wärmepumpen erzeugt. Das Quartier Horgen Oberdorf ist nach Minergie-ECO zertifiziert. Das Mobilitätskonzept der Überbauung sieht vor, den Verkehr zu reduzieren und bietet mit dem Mobility Carsharing direkt am Bahnhof eine passende Alternative zum Privatauto. Zusätzlich besteht die Möglichkeit Cargo-Bikes zu benutzen, die sich perfekt für den Einkauf sowie kleinere Lieferaufträge eignen.











