Bâtiments administratifs et commerces

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Autre

Das Bürogebäude Haus « Giessen » gesellt sich zu einem bestehenden Bau der LLB und bildet mit ihm einem Campus an zentraler Lage in der Landeshauptstadt des Fürstentums.

VERDICHTUNG IM STADTZENTRUM

Das Haus « Giessen » steht im Äule-Viertel von Vaduz, der Landeshauptstadt Liechtensteins. Dieses grenzt direkt an das Städtle im Bereich der Äulestrasse, einer einstigen Durchgangsstrasse, welche unter dem Fürstlichen Schloss der Bergflanke entlangführt. Ab den 1950er-Jahren wuchs dieser Zentrumsbereich von Vaduz nach Westen, in die Ebene des Rheintals hinein. Anstelle der früheren Obstgärten befinden sich hier heute verschiedene Regierungsgebäude, ein Kulturzentrum, eine Primarschule, Läden und Geschäftshäuser. Das Städtle ist weitgehend eine Fussgängerzone, die sich ins benachbarte Äule-Viertel ausdehnt. Der Name Giessen stammt vom Giessa, einem kleinen Gewässer, das direkt westlich vom Standort unter der Giessenstrasse nach Norden fliesst.

Für die Bauherrin, die Liechtensteinische Landesbank AG (LLB), ist das Haus « Giessen » das Ergebnis einer strategischen Weichenstellung aus dem Jahr 2018 : Damals entschied sich die Gruppenleitung nach einer umfassenden Analyse des Gebäudeportfolios für eine klare Zentralisierung ihrer Geschäftsräumlichkeiten in Vaduz. Auf dem Areal des früheren Amts für Justiz entstand so ein moderner Campus, der den bestehenden Hauptsitz, das Haus «Äule», und unmittelbar nördlich davon das neue Haus «Giessen» umfasst – mitten im Zentrum des Landes. Der Bauherrschaft war es wichtig, den Neubau gut ins städtische Gefüge einzupassen und die ganze Bevölkerung am Neubau Anteil haben zu lassen. So wurden Erdgeschoss Gemeinschaftseinrichtungen und ein Auditorium eingeplant, die den Campus zu einem neuen, einfach erreichbaren Ort der Begegnung machen.

RAUMVIELFFALT AUF RATIONALEM RASTER

Das fünfgeschossige, im Grundriss annähernd quadratische Haus « Giessen » vereint rund 260 Arbeitsplätze, flexible Raumtypen und Bereiche für Konzentration, Zusammenarbeit und Austausch. Es ist freistehend, auf dem Niveau des zweiten und dritten Obergeschosses verbindet es eine Brücke mit dem benachbarten Haus « Äule ». In den beiden Untergeschossen liess sich die Substanz des Vorgängerbaus teilweise modifizieren und weiternutzen, etwa im Bereich des Treppenhauses und der Liftanlagen. Die Erweiterung der Untergeschosse vergrössert die bestehenden Einstellhallen und nimmt Technikräume auf.

Der Haupteingang ins Gebäude befindet sich auf der Südseite, unter der Verbindungsbrücke zum Haus « Äule » und hinter einer Arkade, die sich von der Süd- in die Ostfassade erstreckt. Die Eintretenden gelangen in eine grosszügige Foyerzone mit dem Empfang. Über das Foyer ist direkt das Auditorium erreichbar. Es liegt auf der Längsachse des Volumens, grenzt an die Westfassade und ist mit mobilen Trennwänden in der Querrichtung unterteilbar.

Der massive Erschliessungskern mit Treppenhaus, zwei Aufzügen und den Toilettenanlagen liegt östlich des Auditoriums. Wie das Auditorium ist er als symmetrischer Körper mit abgerundeten Ecken ausgebildet und auf der Längsachse angeordnet. Zwischen diesen beiden Raumeinheiten erstreckt sich eine breite Lobby

Auf dem Niveau des ersten Obergeschosses öffnet sich über dem Auditorium ein begrünter Innenhof, der Tageslicht ins Innere des Gebäudes bringt. Im ersten und vierten Obergeschoss dehnt sich dieser Freiraum bis zur Westfassade aus, einmal als Terrasse, einmal als « Brücke » unter freiem Himmel. Der regelmässige orthogonale Stützenrhythmus des Skelettbaus, mit Achsabständen von 5.4 Metern, erlaubt eine freie Gliederung der Bürogeschosse, der halbierte Achsabstand der Fassaden ergänzt diese Ordnung, welche eine rationale Unterteilung der Ebenen ermöglicht. Symmetrisch angeordnete SekundärErschliessungskerne im westlichen Teil des Volumens nehmen ein Fluchttreppenhaus und einen Warenlift auf. Zwischen ihnen und der begrünten Innenhoffassade befindet sich jeweils eine kleine Küche.

HOLZ-BETON-HYBRIDBAU

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Kernelement in der Strategie der LLB. Das Haus « Giessen » wurde von der Planungs- und Bauphase über die Inbetriebnahme bis hin zum regulären Betrieb konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. In struktureller Hinsicht handelt es sich ab dem Erdgeschoss um einen Holz-Beton-Hybridbau : Holzstützen und -balken tragen Decken aus Recyclingbeton. Diese Struktur ist im Inneren frei sichtbar und widerspiegelt sich auch in der grossflächig verglasten Fassade, bei der vorfabrizierte Holz-Wandelemente, Fenster aus Holz-Metall und eine äussere Bekleidung aus Alucobond und vorvergrauten Holz zum Einsatz kamen.

Heizung, Kühlung und Lüftung sowie die allgemeine Klimatisierung erfolgt mittels einer Wärmepumpe und speziellen Systemdecken. Eine grossflächige Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert elektrischen Strom. Als Green Building erhielt das Haus « Giessen » eine LEED-GOLD-Zertifizierung. Es entspricht dem Standard Minergie-P ECO. Der Begriff « Giessen » bezeichnet ein langsam fliessendes Gewässer. Mit dem Giessa verläuft ein solches unmittelbar neben diesem Neubau.

Dies beeinflusste die Umsetzungsplanung, die technischen Massnahmen im Untergrund und die Herausforderungen für das Bauteam. Die Baugrubensicherung erfolgte mit einer überschnittenen Pfahlbohrwand, die vorgenommene Bodenverfestigung verspricht eine dauerhafte Bodenstabilisierung. Vier Filterbrunnen sorgen für eine Grundwasserabsenkung. Das Haus « Giessen » fundiert auf einer Tiefengründung mit Zugpfählen. Bei der Bauübergabe erfolgte ein BIM2FM-Transfer.