Établissements scolaires

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Zurich

Das Schulhaus steht in einem dynamischen Quartier, ergänzt ein Institutsgebäude in der Nähe und bietet mit relativ bescheidenen Mitteln ein komplettes Umfeld für den Unterricht.

LERNEN IN DER GEWERBE- UND WOHNZONE

Das Lycée Français, eine von Eltern geleitete Privatschule, ist seit 1956 im Grossraum Zürich ansässig. Es betreut Kinder und Jugendliche vom Kindergartenalter bis zur Maturität (Baccalauréat). Lange Zeit war die Schule in verschiedenen Liegenschaften in Zürichs Vorortsgemeinde Dübendorf untergebracht. Seit 2016 befindet sie sich in einem eigenen Neubau in unmittelbarer Nähe der nordöstlichen Stadtgrenze Zürichs, im Neugut. Dieser junge, sich dynamisch entwickelnde Teil Dübendorfs ist eines der elf Zentrumsgebiete für eine verdichtete Bebauung, die in Zürichs kantonalem Richtplan eingetragen sind. In der Nachbarschaft ragen mehrere Hochhäuser in den Himmel. In mehr als einer Hinsicht ist es passend, dass der Schulneubau an der Zukunftsstrasse errichtet wurde.

Rund fünf Jahre später stellte sich heraus, dass das Lycée Français zusätzlichen Schulraum für rund 600 neue Schülerinnen und Schüler benötigt. Dafür fand sich eine noch unbebaute Parzelle rund 100 Meter vom Schulneubau entfernt, auf der anderen Seite der selben Quartierstrasse. Diese heisst dort Lagerstrasse und deutet auf eine industriell-gewerbliche Nutzung hin. Sie ist bis heute präsent. Die Erweiterung wurde vom selben Architekturbüro entworfen wie der ursprüngliche Neubau. Bei der Planung hatte es sich dieses Mal mit einem heterogenen Umfeld auseinanderzusetzen, in dem sich Bürohäuser, Gewerbebauten, kleine Wohnbauten und die Treibhäuser einer Gärtnerei befinden. Die Schule gab der Erweiterung den Namen « Bâtiment Auguste Piccard ». Er erinnert an den Schweizer-Weltrekord-Ballonpionier, der 1932 von Dübendorf aus in die Stratosphäre aufstieg.

KOMPAKTE, VOLLSTÄNDIGE SCHULEINHEIT

Das unterkellerte viergeschossige Gebäude beherbergt sämtliche Funktionen für den Unterricht. Es ist eigenständige Tagesschule mit Turnhallen, eigener Gastroküche und Mensa. Das Volumen wurde wie ein Puzzlestück passgenau in das rechteckige Grundstück eingefügt. Der verbleibende schmale Grünraum ist als Spazierweg um das Gebäude ausgebildet, Bäume auf den Nachbargrundstücken spenden Schatten. Zur Strasse kragen die oberen beiden Geschosse des Schulhauses vor und schaffen so einen gedeckten Eingangsbereich, in dem sich auch Fahrräder abstellen lassen. Die Dachterrasse umfasst einen grossen Pausenplatz, ein polysportives Spielfeld und einen Dachgarten. Die hinterlüftete Fassade kombiniert Flachbleche mit Boxblechen in Blau und Grau, welche das Gebäude gut in die Zweckbauten der Umgebung integriert.

Die vertikale Rippung der Boxbleche akzentuiert die Brüstungsbereiche, bei den mit runden Fensteröffnungen versehenen Treppenhäusern läuft sie über alle Geschosse durch. Diese Gestaltungsmassnahmen verleihen dem Gebäude eine Leichtigkeit, die ein Gegengewicht zur erreichten Dichte setzt. Das Kreismotiv taucht im inneren bei den Fenstern der Zimmertüren wieder auf, ein mutiges Farbkonzept differenziert zwischen unterschiedlichen Raumzonen. Offen geführte Leitungen und Lüftungskanäle an den Decken setzen als technische Elemente einen Kontrapunkt zu den lebendigen Oberflächenstrukturen und -farben.

ENGER ZEITRAHMEN UND MINERGIE-ECO

Eine besondere Herausforderung für das Realisierungsteam war in der Ausführung der sehr enge Zeitplan. Aufgrund des Schulbeginnis im September 2026 musste er um jeden Preis eingehalten werden. Besondere Aufmerksamkeit war der Tatsache geschuldet, dass das Untergeschoss fast komplett im Grundwasser steht und die natürlichen Grundwasserflüsse nicht gestört oder unterbrochen werden durften.

Spezielle, drainfähige Aufbauschichten im Boden gewährleisten eine Sicherheit über längere Zeit, selbst wenn kurzfristig Wasser ins Gebäude drücken sollte.

Ungewöhnlich ist zudem die Hauszuleitung Elektro. Wegen der erforderlichen energetischen Leistung konnte sie nicht ab der Lagerstrasse erfolgen, sondern musste über eine längere Distanz von der nächsten Verteilzentrale auf dem nördlichen Nachbargrundstück gezogen werden. Auch die speziellen Vorschriften für Schulbauten bezüglich Schall, Sonnenschutz und Raumklimavorgaben sind als anspruchsvolle Aufgaben zu bezeichnen. Das Schulhaus ist zertifiziert nach Standard Minergie-ECO. Seine Photovoltaik-Anlage verspricht einen Autarkiegrad von 17 Prozent. Zum effizienten Energiemanagement trägt ausserdem eine umweltfreundliche Wärmepumpenheizung mit Erdwärmesonden bei.