Logements

1/12200D

Lucerne

Die Überbauung fügt sich subtil in ihre Umgebung ein, vervollständigt deren urbanen Charakter und bietet vielfältige Wohnformen.

VERDICHTUNG IM ZENTRUMSNAHEN STADTQUARTIER

Die Tribschenstrasse ist eine grössere Quartiererschliessungsstrasse in Luzern. Sie hat ihren Namen von der historischen Luzerner Familie von Tribschen, auch eine nahe Landzunge im Luzerner Arm des Vierwaldstättersees trägt diesen Namen. Die Strasse verläuft südöstlich des Bahnhofs Luzern. Der Güterumschlag, die Industrie und das Handwerk prägten die Gegend, bevor auch grössere Wohnbauten entstanden. In den vergangenen Jahren setzte eine substanzielle Verdichtung der Bebauung ein. Auf dem Grundstück von LOU auf der Südseite der Tribschenstrasse stand zuvor das eingeschossige Gebäude einer Detailhandelsfiliale mit einem Parkplatz. Die Nachbarschaft entlang der Strasse ist bebaut mit bis zu zehngeschossigen Wohn- und Bürobauten. Direktes Gegenüber der Parzelle ist ein historischer, modernistischer Gewerbebau. Er erhielt einen Schutzstatus und soll die Vergangenheit des Quartiers am Leben halten.

LOU wird als Name französisch ausgesprochen und steht für die «neuste Luzernerin». Das Projekt wurde vom Credit Suisse Asset Management geplant. Es lancierte 2019 einen Studienauftrag. Das Architekturbüro Caruso St John Architects AG aus Zürich und London ging siegreich aus dem Verfahren hervor. An der Tribschenstrasse liegt die Parzelle in einer Reihe von Grossbauten. Diese reicht von einer Mehrfamilienhauszeile im Westen bis zur Einmündung der Weinberglistrasse im Osten. Direkter Nachbar im Osten ist ein Bürobau aus den 1970er-Jahren. Auf ihn folgt eine neue Wohnüberbauung mit mehreren Liegenschaften an der Tribschen- und der Weinberglistrasse. Die Architektur musste somit auf ein urbanes Umfeld reagieren.

SUBTILE EINPASSUNG IN DIE UMGEBUNG

Der siebengeschossige, unterkellerte Neubau ist ein streng orthogonales Volumen in Winkelform. Der Haupttrakt verläuft parallel zum bestehenden Bürobau und hat annähernd dessen Länge. Er reicht bis zur rückwärtigen Erschliessungsstrasse beim Geissensteinring. Seine nördliche Stirnfassade ist leicht von der Tribschenstrasse zurückversetzt. In ihr befindet sich hinter einem baumbestandenen Grünstreifen der Eingang zu einer Detailhandelsfiliale. Am hinteren Ende dieses Gebäudeteils zweigt der kürzere, schmälere Trakt nach Westen ab. Er bildet an der Erschliessungsstrasse zusammen mit einem Bestandsbau eine kurze, offene Bauzeile. Ein weiteres dazu parallel verlaufendes Wohnhaus führt mit der Zeilenbebauung entlang der Tribschenstrasse zu zwei begrünten Hofräumen, die gut vom Strassenlärm abgeschirmt sind. LOU hat Anteil an ihnen. Das Wegnetz auf der Parzelle macht diese Hofräume leicht erreichbar.

Die Aussenraumgestaltung ist überall der Situation angepasst : Die östliche Gasse beim Bürogebäude wird durch schlanke, säulenförmige Bäume räumlich gefasst. Die westliche Gasse hat einen direkten Bezug zu den Hofräumen. Hinter der Detailhandelsfiliale verbindet eine grosszügige, offene Halle im Haupttrakt die unterschiedlichen Stadträume der Umgebung miteinander. Hier befinden sich auch die Treppenhäuser zu den Wohnungen im Haupttrakt. Die Wohnungen im kürzeren Trakt sind über zwei Treppenhäuser vom Hofraum her erschlossen, im Erdgeschoss verfügen sie über eine überdurchschnittliche Raumhöhe. Die beiden Bauteile sind im Untergeschoss über eine gemeinsame Einstellhalle miteinander verbunden. Deren Einfahrt befindet sich im Gassenraum am Südostrand der Parzelle.

Vor- und Rücksprünge sowie die Staffelung der obersten Geschosse gliedern die Wohngeschosse und verweben sie mit dem Kontext. Insgesamt bietet LOU 147 Mietwohnungen unterschiedlicher Typologien und Grössen. Die Fassadengestaltung hebt die horizontale Bänderung des Gebäudes hervor. Über dem roten Sichtbetonsockel verbinden unterschiedlich profilierte Glasfaserbetonelemente das bewegte kubische Volumen zu einer Einheit und verleihen ihm eine ruhige und wohnliche Erscheinung.

Geschlossene Fassadenflächen, Loggien, Balkone und Terrassen sorgen für eine klare Gliederung und einen abwechslungsreichen Rhythmus. Die mineralische Materialisierung vermittelt Robustheit und ermöglicht es dem Neubau, sich in das städtische Umfeld einzugliedern. Gezielte Farbakzente lockern die Erscheinung auf.

VIELSEITIGES WOHNANGEBOT MIT FERNWÄRME

Die Wohnungen sind entsprechend den unterschiedlichen Situationen innerhalb des Baukörpers angeordnet. Kleinwohnungen befinden sich im nördlichen Gebäudeteil, und orientieren sich zur belebten Tribschenstrasse. Durch die Vor- und Rücksprünge im Volumen ergeben sich unterschiedliche Wohnungstypologien, darunter auch teilweise durchgesteckte Wohnungen, die von zwei Seiten mit Tageslicht versorgt werden. In den oberen Geschossen erhalten die Wohnungen eine Attikaqualität, da das Gebäude nach oben zunehmend terrassiert ist.

Das Gebäude ist Minergie-zertifiziert und nach den Ausschlusskriterien von Minergie-Eco realisiert. Sämtliche Wohnungen verfügen über ein Smart-Home-System (KNX), eine intelligente Briefkasten- und Türschliessanlage und sind mit Komfortlüftungen ausgestattet. Wärme- und Brauchwarmwassererzeugung erfolgt mittels Fernwärme « See-Energie Luzern » über die beiden Übergabestationen im Untergeschoss. Die Wärmeabgabe erfolgt mittels Fussbodenheizung, einzelraumreguliert. Es ist keine aktive Kühlung, sondern eine Temperierung mittels Freecooling über die Fussbodenheizung. Das Dach wurde vollflächig mit PV-Modulen bestückt.